Interview mit Präsident Thomas Mamitzsch - März 2026
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Interview mit Präsident Thomas Mamitzsch - März 2026

Interview Thomas März 2026

Seit Juli 2025 ist ein neuer Vorstand im Amt. Welche Ziele habt ihr euch damals gesetzt und welche davon konnten bereits umgesetzt werden?

Wir sind als fünfköpfiger Vorstand an den Start gegangen und haben uns vor allem vorgenommen, die Aufgaben klar zu verteilen und die Kommunikation im Verein weiter zu verbessern. Das hat aus meiner Sicht von Anfang an richtig gut funktioniert – wir arbeiten sehr eng zusammen, tauschen uns ständig aus und haben regelmäßige Vorstandsitzungen, in denen wir Themen strukturiert angehen. Gleichzeitig war uns wichtig, erstmal ein Gefühl für den Verein zu bekommen. Wir haben im Juli einen wirklich gut geführten Verein übernommen und uns bewusst die Zeit genommen, uns einen umfassenden Überblick zu verschaffen. Darauf aufbauend konnten wir dann Schritt für Schritt Themen angehen und weiterentwickeln. Natürlich gibt es – wie in jedem Verein – auch Baustellen und immer mal wieder die eine oder andere Überraschung, die plötzlich auf dem Tisch liegt. Aber genau das gehört dazu, und ich finde, wir gehen als Team sehr gut damit um und packen die Dinge gemeinsam an.

Kannst du uns eventuell Beispiele nennen?

Die „Überraschungen“ sind tatsächlich ziemlich breit gefächert. Da geht es nicht nur um sportliche Themen, sondern auch um wirtschaftliche Fragen oder zwischenmenschliche Dinge, die man von außen so erstmal gar nicht sieht. Ein Punkt, den wir zum Beispiel stärker in den Fokus genommen haben, ist die Rolle unseres Vereins in der Stadt. Da haben wir gemerkt, dass noch Potenzial da ist und wir uns insgesamt noch besser aufstellen können, um präsenter zu sein und unsere Bedeutung auch nach außen klarer zu zeigen. Ein weiteres Thema ist die Trainerausbildung. Wir haben viele Sportlerinnen und Sportler im Verein, und da ist es uns wichtig, die Qualität in der Ausbildung kontinuierlich weiter zu verbessern. Deshalb wollen wir hier in Zukunft noch mehr investieren und das Thema gezielt vorantreiben. Am Ende sind es genau diese unterschiedlichen Themen, die so ein Vereinsleben spannend machen – und an denen wir als Vorstand gemeinsam arbeiten.

Den Punkt würde ich gern aufnehmen. Wie bewertest du die sportliche Entwicklung im Nachwuchsbereich und welche Rolle spielt die Jugendarbeit in der langfristigen Strategie des Vereins?

Ich glaube, man muss die aktuelle Entwicklung im Nachwuchs immer im Kontext der letzten Jahre sehen. Wir kommen aus einer wirklich herausfordernden Zeit nach Corona. Viele Kinder, aber auch ältere Aktive, haben damals aus ganz unterschiedlichen Gründen mit dem Sport aufgehört, und gleichzeitig sind in dieser Phase auch deutlich weniger neue dazugekommen. Umso wichtiger ist es jetzt, die richtigen Strukturen zu schaffen – und genau daran arbeiten wir. Ein ganz konkreter Schritt ist, dass wir in diesem Jahr so viele Übungsleiter wie lange nicht zu den Lizenzierungslehrgängen des Handballverbandes schicken. Das ist für uns ein zentraler Baustein, um die Qualität in der Ausbildung weiter zu verbessern.

Wenn man nur auf Tabellen schaut, wirkt meine Einschätzung vielleicht erstmal überraschend – aber ich sehe die Entwicklung im Nachwuchs absolut positiv. Für uns darf der Tabellenplatz nie der einzige Maßstab sein. Es geht genauso um Persönlichkeitsentwicklung, darum, die richtigen Spielklassen für die jeweiligen Jahrgänge zu finden und auch immer den Blick auf die Gegner und das Gesamtbild zu behalten. Diese Themen haben wir gemeinsam sehr bewusst im Fokus. Für unsere langfristige Strategie ist die Jugendarbeit ganz klar das A und O. Ohne die vielen ehrenamtlichen Übungsleiter und ihr unglaubliches Engagement würde der Verein so gar nicht funktionieren. Und wir sehen ja auch, dass sich dieser Weg auszahlt: Wir haben bei den PIRANHAS eine richtig gute Durchlässigkeit. Unsere #ZWOOTE besteht zu rund 95 % aus Spielerinnen, die schon in der Jugend bei uns aktiv waren. Und auch in der 1. Frauenmannschaft stehen mit Lara Deckert, Mia Novy, Johanna Koblenz und Tamara Wergin gleich vier Spielerinnen aus der eigenen Ausbildung auf dem Feld. Das sind genau die Beispiele, die für unsere Kinder extrem wichtig sind – weil sie zeigen, was im eigenen Verein möglich ist.

Bleiben wir gleich bei den Großen. Wie zufrieden bist du  mit der Entwicklung der Frauenmannschaften?

Die Antwort fällt mir tatsächlich ein bisschen schwer, weil man das aus zwei Perspektiven betrachten muss. Bei der #ZWOOTE bin ich ja selbst als Trainer mitverantwortlich – da muss ich jetzt natürlich aufpassen, dass der Präsident den Trainer nicht zu sehr kritisiert (lacht). Wenn ich ehrlich bin, sind wir als Team mit dem falschen Mindset in die Saison gegangen. Nach dem Abstieg aus der Oberliga war vielleicht bei dem einen oder anderen der Gedanke da, dass man in der Verbandsliga „einfach so“ mitspielen kann. Bis die Realität dann bei allen angekommen ist, hatten wir leider schon zu viele Punktverluste gesammelt. Dazu kommt, dass unsere Leistungen in vielen Spielen nicht über die kompletten 60 Minuten konstant genug waren. Und wenn du das nicht schaffst, dann hast du am Ende auch nichts mit dem Aufstieg zu tun – so ehrlich muss man sein.

Trotzdem ist für mich klar: Das Ziel muss es sein, dass die zweite Mannschaft perspektivisch wieder in der Oberliga Sachsen spielt. Das sollte der Anspruch der Verantwortlichen genauso sein wie der der Spielerinnen.

Das klingt nach einer klaren Aufgabe. Dieses Ziel hat die Erste Mannschaft mit der Regionalligameisterschaft bereits erfüllt. Wie blickst du auf die Saison nach dem Abstieg aus der 3. Liga?

Da muss ich ehrlich gesagt auch erstmal kurz schlucken, wenn ich auf die Saison zurückblicke – im positiven Sinne. Die Mädels haben eine unglaubliche Serie gespielt, das war wirklich beeindruckend. Natürlich musst du auch so ehrlich sein: Wenn du aus der 3. Liga absteigst und den Großteil der Mannschaft zusammenhältst, gehst du automatisch als Favorit in so eine Saison. Aber dieser Rolle musst du erstmal gerecht werden – und genau das hat das Team eindrucksvoll geschafft. Ein riesiges Kompliment geht dabei auch an das Trainerteam mit Juri und Maja. Die beiden leisten hervorragende Arbeit. Die Trainingseinheiten sind intensiv, gleichzeitig spürt man aber auch immer den Spaß und die Energie, die die Mannschaft mitbringt – egal ob im Training oder am Spieltag. Am Ende haben sich die Mädels die Meisterschaft absolut verdient, da gibt es für mich keinerlei Zweifel. Besonders stark finde ich, dass sie ihren Leistungshöhepunkt genau zum richtigen Zeitpunkt hatten – nämlich am Ende der Saison, wenn es normalerweise um alles geht. Genau so wünscht man sich das.

Du machst bereits den Einschnitt, was heißt denn normalerweise? Wir sind ja mit der #MissionWiederaufstieg an den Start gegangen. Wie ist der aktuelle Stand?

Ja, „normalerweise“ trifft es leider ganz gut – weil unsere #MissionWiederaufstieg am Ende nicht so umgesetzt werden konnte, wie wir uns das alle gewünscht haben. Wir mussten die Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur 3. Liga als Vorstand schweren Herzens absagen. Hintergrund waren kurzfristige Veränderungen im Sponsoring: Ein größerer Partner ist abgesprungen und auch einige kleinere haben ihre Unterstützung reduziert. Das hat uns wirtschaftlich einfach die Grundlage genommen, um so ein Projekt seriös anzugehen. Und da sind wir dann bei unserem Grundsatz: Vernunft trifft Leidenschaft. So sehr wir alle den sportlichen Weg gehen wollten – die Kosten für die 3. Liga mit weiten Fahrten, höheren organisatorischen Anforderungen und insgesamt deutlich steigenden Ausgaben sind enorm. Wenn wir das als Verein nicht solide darstellen können, dann müssen wir so eine Entscheidung treffen, auch wenn sie extrem weh tut. Mir tut das vor allem für die Mannschaft leid. Die Mädels wollten diesen Weg unbedingt gehen und waren bereit dafür. Wir haben das intern auch frühzeitig kommuniziert, aber einfach war das natürlich für niemanden.

Nichtsdestotrotz sind wir auf einem guten Weg. Wir machen unsere Hausaufgaben, sind in Gesprächen mit neuen Partnern und werden dazu in den nächsten Wochen auch sicher noch positive Entwicklungen vermelden können. Klar ist aber auch: Es gibt noch Themen aus der Vergangenheit, wie offene Verbindlichkeiten, deren genaue Höhe wir teilweise noch aufarbeiten müssen – auch das gehört zur ehrlichen Bestandsaufnahme dazu. Wichtig ist mir aber: Niemand muss sich Sorgen um den Verein machen. Wir sind stabil aufgestellt und für die kommende Saison in der 4. Liga gut gerüstet.

Unser Ziel bleibt klar: Wir wollen den Aufstieg perspektivisch realisieren – Stand jetzt peilen wir an, in der Saison 2026/27 wieder voll anzugreifen. Dafür müssen wir an ein paar Stellschrauben drehen: wirtschaftlich, strukturell und auch im Kader. Die Mannschaft wird sich an der einen oder anderen Stelle verstärken müssen, um langfristig auch in der 3. Liga konkurrenzfähig zu sein. Und man darf nicht vergessen: Selbst die Qualifikation ist kein Selbstläufer. Die Konkurrenz ist groß, aktuell sprechen wir von über 20 Teams, die sich um die Plätze bewerben. Die PIRANHAS waren meines Wissens nach der einzige Verein, aus der Regionalliga Frauen, der ursprünglich gemeldet hat. Das zeigt auch, wie anspruchsvoll dieser Schritt ist – sportlich wie wirtschaftlich.

Kannst du uns einen Ausblick auf die verbleibenden Wochen in der Saison geben und wie bzw. wann es dann in die nächste Spielzeit geht?

Ach du, langweilig wird uns auf keinen Fall – wir haben in den nächsten Wochen noch richtig viel vor. Zuerst wollen wir natürlich die letzten beiden Spiele unserer ersten Frauenmannschaft erfolgreich gestalten. Es geht auswärts nach Chemnitz und dann wartet am 19.04. um 16 Uhr im Sportcenter das letzte Heimspiel gegen Görlitz. Das wird nochmal ein echtes Spitzenspiel und ein richtig schöner Handball-Nachmittag zum Saisonabschluss. Da wollen wir nicht nur sportlich überzeugen, sondern auch gemeinsam mit unseren Fans die Regionalligameisterschaft gebührend feiern.

Eine Woche später zieht dann die #ZWOOTE nach: Am 25.04. um 16 Uhr ebenfalls im Sportcenter steht das letzte Saisonspiel gegen Limbach-Oberfrohna an. Auch da wollen wir die Saison ordentlich abschließen. Im Nachwuchsbereich geht es danach direkt weiter mit den Qualifikationen für die kommenden Spielklassen. Wir planen wieder, unsere D-, C- und B-Jugend in den höchsten sächsischen Spielklassen zu melden. Da stehen einige spannende Quali-Turniere an – und vielleicht sind wir auch wieder selbst Ausrichter bei dem einen oder anderen Event. Und darauf freuen wir uns ganz besonders: Wir wollen in diesem Jahr eine alte Tradition wieder aufleben lassen – den Piranhas Cup. Am 22./23. August für die C- und B-Jugend und am 29./30. August für unsere Frauenmannschaften. Die Ausschreibungen sind raus und wir hoffen auf viele spannende Teams und ein richtig tolles Turnierwochenende bei uns in Markranstädt. Der Ligaauftakt der ersten Frauenmannschaft wird dann voraussichtlich Anfang September stattfinden – da warten wir noch auf den finalen Spielplan. Aber mit dem Piranhas Cup haben wir auf jeden Fall schon ein echtes Highlight zum Start in die neue Saison, das wir auch in den kommenden Jahren wieder fest im Kalender etablieren wollen.

Ein Thema brennt natürlich, was ist nun mit dem HC Leipzig in der kommenden Saison. Überall wo man hinkommt wird man gefragt, kannst du uns erklären wie die aktuelle Lage ist?

Das Thema begegnet uns aktuell tatsächlich überall – und ich kann total verstehen, dass da viele Fragen im Umlauf sind. Aber wie so oft gilt auch hier: Ungelegte Eier kann man nicht braten. Ein paar Dinge sind einfach noch nicht final entschieden. Was ich aber sagen kann: Wir sind von Anfang an in die Gespräche eingebunden gewesen. Der HC Leipzig ist frühzeitig auf uns zugekommen, noch bevor die Stadt Markranstädt mit ins Boot geholt wurde. Seitdem stehen wir in einem sehr engen und partnerschaftlichen Austausch – sowohl mit dem HCL als auch mit der Stadt. Die Grundlage für alles ist natürlich erstmal der sportliche Erfolg des HC Leipzig. Wenn sie den Aufstieg in die 1. Liga schaffen – und da drücken wir als Nachbarn und Partner ganz fest die Daumen – dann ist aktuell der Plan, dass sie ihre Heimspiele im Sportcenter Markranstädt austragen. Wichtig ist mir dabei ganz klar zu sagen: Es geht ausschließlich um die Heimspiele. Es wird nicht so sein, dass der HCL hier „alles übernimmt“ oder unsere Hallenzeiten verdrängt. Unsere Strukturen und unser Trainings- und Spielbetrieb bleiben bestehen.

Der Hintergrund ist relativ einfach: Die aktuelle Spielstätte in der Brüderstraße erfüllt die Anforderungen für die 1. Liga nicht, und in Leipzig bzw. der näheren Umgebung gibt es schlicht keine geeignete Halle – außer der großen Arena, die für den Start in der Liga wirtschaftlich kaum darstellbar ist. Natürlich ist das Ganze mit viel Planung verbunden. Wir führen viele Gespräche, stimmen uns eng ab und schauen gemeinsam, wie wir mögliche Überschneidungen lösen. Grundsätzlich ist vorgesehen, dass wir unsere Heimspiele so legen, dass wir uns nicht in die Quere kommen. Und wenn es doch mal an ein, zwei Wochenenden eng wird, finden wir dafür gemeinsam Lösungen – da sind wir alle sehr konstruktiv unterwegs. Am Ende sehe ich auch viele Chancen in dem Ganzen: Die Region bekommt die Möglichkeit, regelmäßig hochklassigen Frauenhandball an einem Standort zu sehen. Wir können das Sportcenter gemeinsam zu einer echten Handballhochburg entwickeln. Und auch infrastrukturell kann sich dadurch etwas bewegen, wovon wiederum alle profitieren. Für uns ist entscheidend, dass das Ganze partnerschaftlich, auf Augenhöhe und mit einem klaren Blick auf Lösungen läuft – und genau so erleben wir die Zusammenarbeit aktuell auch.

Danke Thomas das du dir die Zeit genommen hast. Was möchtest du den Fans, Unterstützern und Mitgliedern des SC Markranstädt zum Abschluss noch mit auf den Weg geben?

Ich möchte einfach Danke sagen – und das wirklich von Herzen. Auch im Namen meiner Vorstandskolleginnen und -kollegen Mandy, Doreen, Marcus und Jens: Danke für das Vertrauen, das uns von Anfang an entgegengebracht wurde. Sowohl im Nachwuchsbereich von den Eltern als auch von den Spielerinnen in den Frauenmannschaften – das hat uns den Einstieg enorm erleichtert. Ein riesiges Dankeschön geht auch an unser Serviceteam. Was da mittlerweile auf die Beine gestellt wird, ist wirklich beeindruckend. Egal ob Catering, Organisation, Sicherheit oder einfach die vielen helfenden Hände rund um den Spieltag – wir können uns da absolut aufeinander verlassen. Der Grill läuft, Ordner sind da, alles greift ineinander. So wird jeder Heimspieltag zu einem echten Erlebnis im Sportcenter. Und das merkt man auch an den Zuschauerzahlen. Die Stimmung wird von Spiel zu Spiel besser, die Halle füllt sich – beim letzten Heimspiel waren wir bei rund 400 Leuten. Für unsere Liga ist das wirklich stark und zeigt, was hier gerade wächst.´Genauso schön ist es im Nachwuchsbereich zu sehen: engagierte Eltern, tolle Unterstützung bei Spielen – auch auswärts. Das ist nicht selbstverständlich und macht unseren Verein aus.

Ein großes Dankeschön geht auch an unsere Kampfrichter sowie Schiedsrichter und insbesondere an unseren Schiedsrichterobmann Daniel Riegert, der da mit viel Einsatz und Herzblut eine richtig gute Entwicklung angestoßen hat. Auch da sind wir inzwischen sehr gut aufgestellt. Am Ende kann ich nur sagen: Bleibt so, wie ihr seid. Bleibt dran, unterstützt den Verein – denn auch wenn es oft wie eine Floskel klingt, es ist wirklich so: Wir können das alles nur gemeinsam schaffen. Ehrenamt kostet Zeit und Kraft, aber es macht auch unglaublich viel Spaß und es ist eine große Ehre, diesen Verein mitgestalten zu dürfen.

Vielen Dank an alle – und lasst uns gemeinsam weiter an unseren Zielen arbeiten.